Bestseller ≠ Bestinvestor
Die Kunst, Qualität zu erkennen,
bevor ihr applaudiert wird.
Bei der Suche nach dem „richtigen" Fonds greifen viele Anleger zu Strategien, die am lautesten beworben werden oder bereits viel Kapital eingesammelt haben. Doch genau das führt häufig zu teuren Fehlentscheidungen. Wir zeigen drei zentrale, miteinander verknüpfte Fehler auf, die sowohl Privatanleger als auch viele Profis immer wieder begehen.
Der Status quo übt eine besondere Anziehungskraft aus – nicht, weil er zwingend die beste Lösung darstellt, sondern weil er vertraut ist. Menschen bevorzugen häufig das, was sie kennen, selbst wenn deutliche Anzeichen darauf hindeuten, dass eine Veränderung sinnvoller wäre. In der Routine steckt Sicherheit: Man weiß, was zu erwarten ist, welche Risiken bestehen und welche Konsequenzen eintreten können. Veränderung hingegen bedeutet immer auch Unsicherheit, Kontrollverlust und die Möglichkeit des Scheiterns. Die Komfortzone bietet Stabilität, während Neues zunächst Mühe, Anpassung und womöglich Konflikte mit sich bringt. So entsteht ein paradoxes Muster, das sich in nahezu allen Lebensbereichen zeigt: In der Politik halten Gesellschaften an etablierten Strukturen fest, selbst wenn Reformen dringend notwendig wären. In der Wirtschaft investieren Unternehmen mitunter weiter in veraltete Modelle, weil diese einst erfolgreich waren. Und bei finanziellen Entscheidungen – etwa der Auswahl von Investments oder Fonds – bleibt man lieber beim Altbekannten, ungeachtet besserer Alternativen oder veränderter Marktbedingungen. Der Mensch klammert sich an Gewohntes, solange der gefühlte Schmerz des Wandels größer erscheint als die Schwächen des Bestehenden. So wird der Status quo zur bequemen, aber oft trügerischen Konstante in einer Welt, die sich unaufhörlich weiterdreht. Wir Menschen lieben nun einmal Sicherheit. Wir fühlen uns wohl in der Herde. Denn wer tut, was alle tun, kann zumindest behaupten, keinen Fehler allein gemacht zu haben. Doch genau diese Logik führt bei Investitionen oft zu Ergebnissen, die – höflich formuliert – ernüchternd sind. Die Fondsindustrie ist eine Bühne des „Im-Windschatten-Investierens“ (Abb. 1). Private und professionelle Investoren sowie Berater folgen in der Regel dem, was groß, bekannt und etabliert ist. Dass darin – mindestens – das Risiko des Mittelmaßes liegt, lässt sich mit Daten belegen.
Orientierung am Mainstream –
und damit am Mittelmaß
„Die großen Fonds sind gut“ – so heißt es. „Weil sie groß sind.“ Doch Größe entsteht nicht zwingend durch Kompetenz, sondern häufig durch große Vertriebsstrukturen, Marketing und Marktdynamiken. Bei der Analyse verschiedener Fondskategorien – sogenannten Peer Groups – auf Basis von Daten des führenden Fondsanalyse-Unternehmens Morningstar stoßen wir auf ein bekanntes Phänomen: Die größten Fonds liefern mittel- und langfristig häufig schlechtere Ergebnisse als kleinere Strategien. Stellvertretend zeigen dies die beiden folgenden Beispiele der Vergleichsgruppen Mischfonds ausgewogen Global und Aktienfonds Global Emerging Markets (Abb. 2):
(Rendite vs. Fondsgröße)
(Rendite vs. Fondsgröße)
Warum schneiden die Giganten schlechter ab?
Per se wird ein Portfolio Manager oder ein Management-Team nicht weniger kompetent, nur weil mehr Kapital zu verwalten ist. Dennoch erschwert ein stark wachsendes Fondsvolumen agiles Handeln – in manchen Bereichen wird es sogar unmöglich.
Ein häufiger Effekt: Ein Fonds, dessen Leistungsbilanz einst aus den besten Portfolio-Ideen generiert wurde, muss mit einem vielfach höheren Volumen deutlich mehr Positionen aufnehmen. Dadurch schrumpft der Mehrwert – das „Alpha“ – je investiertem Euro. Die besten Ideen verlieren an Gewicht im Gesamtportfolio.
Gleichzeitig steigt der administrative Aufwand erheblich: Prüfungsprozesse, interne Abstimmungen und regulatorische Anforderungen nehmen zu – auf Kosten der Zeit für neue Investmentideen. Die Portfolio Manager sind zwar die gleichen, das Portfolio aber nicht mehr. Die Strategie wird verwässert.
Die Mehrheit investiert zu spät – und kauft das Ende einer Erfolgsgeschichte.
Die Jagd nach den
Spitzenreitern
„Der beste Fonds der letzten drei Jahre“, „Fondsmanager des Jahres“ – solche Schlagzeilen haben bereits viele Anlegerinnen und Anleger enttäuscht.
Wichtig ist: Gemeint sind hier nicht Fonds, die über rollierende Zeiträume hinweg kontinuierlich zu den Besten ihrer Vergleichsgruppe gehören – das wäre ein echtes Qualitätsmerkmal. Ranglisten hingegen zeigen nur einen momentanen Schnappschuss der Wertentwicklung zu einem bestimmten Stichtag.
Top-Platzierungen basieren häufig auf Sonderwetten, die sich nicht dauerhaft wiederholen lassen. Zu den Trendthemen der letzten Jahre gehören Edelmetalle, Goldminen, Rüstungsunternehmen oder der gesamte KI-Sektor. Auch aggressives Market-Timing kann kurzfristig für Glanz sorgen – allerdings mit Risiken, die sichtbar werden, sobald die Märkte drehen. Hohe Platzierungen in Ranglisten sind selten nachhaltig. Daten aus den Finanztest-Rankings zeigen, dass vormals führende Fonds oft innerhalb weniger Jahre wieder auf Durchschnitts-niveau zurückfallen (Abb. 3).
Mehr als ein Rückfall auf den Durchschnitt der Vergleichsgruppe gelingt selten. Ins erste Quartil schaffen es die ehemaligen Spitzenreiter meist nicht mehr zurück.
So hatte „Top-Fonds 1“ zum Bewertungszeitpunkt im Juni 2020 ein Volumen von rund 1 Mrd. €, „Top-Fonds 2“ lag bei 2 Mrd. €. Drei Jahre später – per 06/2023 – waren es bereits 1,3 bzw. 3,5 Mrd. €. Das zeigt, wie zwei negative Einflußfaktoren zusammenwirken können:
- Top-Ranglistenplatzierungen, die Anleger anlocken
- Stark wachsendes Fondsvolumen, das die künftige Performance oft ausbremst
Man sieht den Fonds,
aber nicht den Menschen dahinter
Hinter Kennzahlen, Sternebewertungen und Performancekurven gerät das Wesentliche in Vergessenheit: Rendite entsteht nicht durch eine ISIN-Nummer – sie entsteht durch Entscheidungen. Und Entscheidungen treffen Menschen. Doch viele Anleger ignorieren den Track Record des Managements in früheren Mandaten – obwohl er der stärkste Indikator für zukünftige Qualität ist. Die größte Gefahr im Portfolio Management ist nicht die Schwankung – sondern das falsche Handeln zur falschen Zeit. Market-Timing, hektische Stilwechsel oder Investments, die man auf Nachfrage nicht begründen kann, sind die teuersten Performance-Killer.
Institutionelle Anleger wissen: Erfolg ist das Ergebnis von Disziplin. Und Disziplin ist eine Managementleistung. Daher ist Managerqualität der wichtigste Prädiktor für langfristige Überrendite:
Unsere eigenen Beispiele (Abb. 4-6) belegen: Stabile Teams, langjährige Erfahrung, eindeutig definierte Verantwortlichkeiten sowie ein konsistentes Risikomanagement mit sinnvoller Diversifikation schaffen nachhaltigen Mehrwert – oftmals nicht in jeder Monatsstatistik sichtbar, aber über Jahre hinweg eindeutig in den Ergebnissen nachweisbar.
(exemplarisch, Degussa Bank Universal-Rentenfonds - Mischfonds defensiv Global, 25 % Aktienquote)
(exemplarisch, RIV I Family Office Mischfonds ausgewogen, 50/50)
BlackPoint Evolution Fund vs. 60/40-ETFs & Bestseller-Fonds
Warum wiederholen
wir diese Fehler?
Weil der Mensch zwei unsichtbare Gegner hat:
- Verlustangst – wir fürchten, allein falsch zu liegen
- Konformitätsdruck – niemand will Außenseiter sein
Doch genau dort, wo wenige stehen, entsteht Innovation – auch im Investment. Wer sich an Volumen oder Ranglisten orientiert, investiert im Windschatten und folgt dem Mittelmaß. Wer sich an Kompetenzen orientiert, folgt dem Erfolg.
Wie man klüger handelt
Fazit
Die Kunst liegt nicht im Nachmachen, sondern im Erkennen von Qualität, bevor ihr applaudiert wird. Der Kapitalmarkt belohnt nicht diejenigen, die sich sicher fühlen – sondern diejenigen, die richtig liegen, lange bevor andere verstehen, warum. Es lohnt sich, Fonds nicht als Produkt zu betrachten, sondern als das, was sie wirklich sind: Eine geteilte Zukunft – mit Menschen, deren Kompetenz man vertraut. Und das ist vielleicht das Wertvollste, worin man investieren kann.